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Autor: Ramona Zühlke

28. April 2022

Hannah Arendt: Wir Flüchtlinge. Philipp Reclam jun. Verlag GmbH, 2016, 64 Seiten. Mit einem Essay von Thomas Meyer [Was bedeutet das alles?] 

 

1943 veröffentliche Arendt den Essay „We refugees“ im Menorah Journal. In diesem thematisiert sie die Situation von Flüchtlingen und verdeutlicht das Selbstbewusstsein und Selbstverständnis von Menschen mit Fluchterfahrungen. Der Text wurde 1986 ins Deutsche übersetzt. 

Hannah Arendt (1906-1975) studierte Philosophie bei Heidegger, Jaspers und Husserl, emigrierte 1933 nach Frankreich und floh 1941 in die USA. Von 1937 bis 1951 war sie staatenlos.

Dr. Thomas Meyer ist Professor am Lehrstuhl für Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 

Hannah Arendt setzt in ihrem Essay mit den Worten an: „Vor allem mögen wir es nicht, wenn man uns ‚Flüchtlinge‘ nennt. Wir selbst bezeichnen uns als ‚Neuankömmlinge‘ oder als ‚Einwanderer‘.“ Arendt verweist damit zum einen auf den Paradigmenwechsel in Bezug auf den Begriff des Flüchtlings, der sich im Zuge des Nationalsozialismus vollzog und zum anderen zeigt es auch den Wunsch auf, ein integrierter Mensch zu sein.  Die Juden waren nicht aufgrund von politischen Anschauungen oder Taten gezwungen das Land zu verlassen, sondern aufgrund ihrer völkischen Nicht-Zugehörigkeit, dem sie mit einem notwendigen Optimismus begegnen. Sie schreibt über den Optimismus, den Flüchtlinge  brauchen, um eine neue Existenz aufzubauen. Sie nennt ihn einen „ungesunden Optimismus“, zu dem viel gehört: die Akzeptanz der Tatsache viel verloren zu haben, die Fähigkeit des Vergessens, der Vertrauensverlust und vor allem ein staatenloser Flüchtling ohne Rechte zu sein. „Wir haben unser Zuhause und damit die Vertrautheit des Alltags verloren. […] Wir haben unsere Sprache verloren und mit ihr die Natürlichkeit unserer Reaktion, die Einfachheit unserer Gebärden und den ungezwungenen Ausdruck unserer Gefühle.“ Und so kommt es, dass der Optimismus „Tür an Tür mit der Verzweiflung wohnt“. 

Thomas Meyers Essay „Es bedeutet den Zusammenbruch unserer Welt“ greift die Gedanken von Arendt auf und setzt sie in Bezug auf die heutige Situation. Auch wenn er sich konkret auf die Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan bezieht, ist sein Essay nicht weniger relevant für die Flüchtlinge aus der Ukraine oder aus dem Jemen.

Dieses kleine Buch gibt sehr viele Denkanregungen und sollte unbedingt in die Lehrpläne unserer Schulen aufgenommen werden.
Die Zahl der Flüchtlinge hat sich seit 1943 weiter erhöht. Der Text ist also schon 79 Jahre alt und hat an Aktualität nichts verloren. Ein jeder bekommt hier die Chance zu reflektieren, wie wir Menschen miteinander umgehen. Es lässt sich ohne Zweifel sagen: Das Buch hat es in sich.

Die Würde des Menschen nach Kant

Autor: Ramona Zühlke

21. April 2022

In der „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ beschäftigt sich Kant ausschließlich mit moralphilosophischen Fragen. Kants Grundgedanke ist, dass jeder Mensch der Moralität fähig ist und damit auch zur Freiheit, die ihm Würde verleiht. In der „Grundlegung der Metaphysik der Sitten“ möchte er das moralische Bewusstsein explizieren, bzw. philosophisch analysieren.

Erstmalig gibt es damit eine Ethik a priori und der Begriff der Würde gewinnt neue Bedeutung im Vergleich zu den vorherigen Ethiken. Seine Überlegungen haben die Diskussion zum Thema der Moral seit der Aufklärung wesentlich geprägt. Auch das grundgesetzliche Verständnis der Menschenwürde hat in weiten Teilen die Züge der kantischen Auffassung. ‚Würde’ bezeichnet den absoluten Wert des Menschen, der niemals austauschbar ist.

Aus gegebenen Anlass ist dieser Tage die Würde des Menschen und die scheinbar daran gekoppelten Menschenrechte verstärkt in unser Blickfeld gerückt.

Für mich ist hier besonders das Impfthema um Corona interessant, denn wenn ich die Argumentationen beider Seiten (leider muss das ja schon so ausgedrückt werden) betrachte, geht es um Moral und die Achtung der Würde aller Menschen. Die Wissenschaft ist natürlich nicht zu vernachlässigen, allerdings stehen sich auch hier Fronten gegenüber, sodass in letzter Konsequenz der Vorwurf mangelnder Moral und Solidarität laut zu hören ist.

Es ist eine Idee, sich mal wieder mit den Ursprüngen des Würdebegriffs auseinanderzusetzen, um dann aus der einen und anderen Perspektive unsere Situation zu verstehen, in der wir uns befinden. Das Ziel ist ein gegenseitiges Verständnis für uns. Die immer noch gegenwärtigen Beschimpfungen und Diffamierungen, die Ausgrenzung und die Beleidigungen sollten unbedingt aufhören.

Notfalltermine gibt es in 5 Wochen.

Autor: Ramona Zühlke

9. April 2022

Unlängst begann die Politik, uns für unser Gesundheitssystem zu sensibilisieren. Wegen eines Virus droht die Überlastung; wegen eines Virus möge sich jeder für die Impfung entscheiden. Nun gut. Aber warum bekomme ich bei einem Notfall bei meinem Orthopäden erst in 5 Wochen einen Termin? Liegt das etwa auch an dem Virus? Nein, natürlich nicht. Das Problem ist ein ganz anderes. Mein Orthopäde ist kein Oktopus. Das mag hinsichtlich seiner Vernunftfähigkeit als Mensch Vorteile haben, aber bei der Anzahl an Armen, Händen und Beinen hat das ‚Mensch sein‘ durchaus Nachteile im Vergleich zum Oktopus.

Ein Blick auf die Öffnungszeiten der Praxis verrät, dass mein Orthopäde 32 Stunden die Woche in der Praxis von Patient zu Patient eilt. Die restlichen 8 Stunden wird er wohl damit verbringen, Gutachten zu schreiben und andere bürokratische Arbeiten zu erledigen. Es bleibt zu bezweifeln, dass er wirklich nur eine 40-Stundenwoche hat. Einen Vorwurf kann ich ihm also nicht machen, denn auch er muss auf seine Gesundheit achten. Dennoch liege ich hier wie ein Käfer auf dem Rücken und sehe mich in meiner schmerzfreien Beweglichkeit stark eingeschränkt. Vermutlich ein Bandscheibenvorfall. In der Notfallambulanz des hiesigen Klinikums war ich schon. Dort wurde ich von einem sehr netten Rettungssanitäter mit starken Schmerzmitteln behandelt und nach der intravenösen Behandlung gab er mir auch noch Tabletten für das Wochenende mit.  Eine notwendige Weiterbehandlung kann aber nur durch den Orthopäden erfolgen und dafür muss ich 5 Wochen warten. Zu meinem Bedauern sieht es auch in anderen Praxen nicht anders aus. Das wiederum lässt bei mir den Gedanken aufkeimen, dass wir schlicht zu wenig Ärzte haben und dafür wiederum ist die Politik verantwortlich, nicht das Virus.  Genug junge Menschen möchten gerne Medizin studieren, es fehlt nur leider an Studienplätzen. Einige gehen für das Studium dann ins Ausland und nur wenige von ihnen kommen zurück. Das Fazit: Ich werde es also ‚ausliegen‘ müssen und wenn ich in 5 Wochen zum Termin erscheine, wird sich das Problem sicher schon gelöst haben, denn die Heilung dauert etwa 6 Wochen. Und damit hat auch gleich die Krankenkasse gespart, denn ohne beim Arzt vorstellig zu werden, gibt es auch keine Schmerzmittel für mich. So kann natürlich auch eine  ‚Entlastung des Gesundheitssystems‘ bewirkt werden. 

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